Arbeitsgemeinschaft Flüssige Biokraftstoffe - im Fachverband der
Chemischen Industrie Österreichs
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Bioethanol

Bioethanol ist ein aus kohlenhydrathaltiger Biomasse (Zucker, Stärke) hergestellter Kraftstoff mit einem Alkoholanteil von mind. 99 Volumsprozent (de facto wasserfrei).
 
Bioethanol wird auf Basis einer entsprechenden EU-Richtlinie und gesetzlicher Grundlagen in Österreich zur Verbesserung der CO2-Bilanz und zur Verringerung der Erdölimporte zu 4,4 % dem Fahrbenzin beigemischt. Bioethanol darf ohne zusätzliche Kennzeichnung bis 5% zu Benzin beigemischt werden. Weiters wird auch in Österreich bereits der Misch-Kraftstoff SuperEthanol angeboten, der zu rund 85 % aus Bioethanol und zu rund 15 % aus Benzin besteht.
 
Die Qualitätsanforderungen an Bioethanol beschränken sich im Wesentlichen auf die Reinheit und den Wassergehalt. Diese Parameter sind in der großtechnischen Produktion problemlos zu beherrschen. 
 
  
ÖSTERREICHISCHER MARKT
 
Derzeit gibt es eine Bioethanol-Produktionsanlage in Österreich, diese befindet sich in Pischelsdorf/Niederösterreich.
Die Anlage erzeugt jährlich bis zu 240.000 m3 Bioethanol, was einer Masse von ca. 190.000 Jahrestonnen entspricht. 
 
  
WELT-BIOETHANOLPRODUKTION 2000-2008
 
In Europa führend in der Produktion von Bioethanol ist Frankreich, Deutschland, Spanien und Polen.
  • Die Welt-Bioethanolproduktion hat sich in den vergangenen 8 Jahren fast verdreifacht.
  • Ausschlaggebend war die steigende Beimischung zu Benzin in den USA und Brasilien.
  • Die USA und Brasilien sind mit rund 50 % und 40 % Weltmarktanteil die größten Produzentenländer.

Quelle: F.O. Licht

 

WELTWEITES POTENZIAL FÜR BIOETHANOL

  • Im Jahr 2007 belief sich die Welt-Bioethanol-Produktion auf rund 50 Mrd. Liter.
  • Diese Produktionsmengen sollen sich aufgrund des steigenden Bedarfs laut Schätzungen bis zum Jahr 2015 mehr als verdoppeln.
  • Expertenschätzungen sehen ein Potenzial von 4 % bis 6 % des weltweiten Kraftstoffverbrauches bis 2020 für Bioethanol.
 

Quelle: World Biofuels Conference 2007 
 
PRODUKTIONSVERFAHREN
 
Die stärke- und zuckerhaltigen Rohstoffe werden vermahlen und mit Wasser versetzt. Mit Enzymen wird die stärkehaltige Rohstoffmaische zu einer Glukoselösung verzuckert, zuckerhaltige Rohstoffmaische wird direkt vergoren. Unter Zugabe von Backhefe wird die Lösung vergoren. Die ethanolhaltige Maische wird destilliert, das Ethanol entzogen und mit Molekularsieben entwässert. Bei der Produktion von Bioethanol entstehen keine Abfälle.
 
Der Eiweißgehalt der Pflanze wird abgetrennt und zu dem hochwertigen Eiweiß-Futtermittel „DDGS“ verarbeitet. 
 
 
  
 
UMWELTBILANZ
 
Biokraftstoffe stellen einen sinnvollen Bestandteil zur Reduktion vor allem der Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor und damit einen sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz dar. Vor allem Bioethanol erweist sich dabei unabhängig von den Rohstoffen aus welchen es hergestellt wird (verschiedene Getreidearten oder Dicksaft aus Zuckerrüben) als ökologisch äußerst vorteilhaft. Darüber hinaus entstehen bei der Produktion von Bioethanol jährlich bis zu 190.000 t des Nebenproduktes „DDGS“ (Distillers Dried Grain with Solubles), ein wertvolles Eiweißfuttermittel, dass den Import von Sojaprodukten in der Viehzucht nachhaltig reduziert. Bis dato erweist sich die Beimengung von Biokraftstoffen zu herkömmlichen fossilen Kraftstoffen als einzig zielführende Maßnahme in Bezug auf die ambitionierten nationalen aber auch internationalen Ziele im Bereich des Klimaschutzes. 
 
Eine Studie des Joanneum Research vom Frühjahr 2008 ergab für den gesamten Produktzyklus von Bioethanol aus Österreichischer Produktion eine Netto-CO2 Einsparung von bis zu 380.000 t p.a. Dabei wurde der gesamte Zyklus vom Anbau der Pflanzen, über deren Düngung, die Produktion, der Transport bis zum Verbrauch analysiert.
 
 
ROHSTOFFE EUROPA
 
Die wichtigsten Rohstoffe zur Erzeugung von Bioethanol sind alle Getreidearten.  
  • In Europa ist genügend Getreide als Rohstoff für die Bioethanol-Produktion vorhanden (die EU exportierte 2007 16 Mio. t Getreide trotz 10% Flächenstilllegung).
  • Durch die seit 2008 aufgehobene Flächenstillegung werden zusätzliche Anbauflächen zur Verfügung gestellt.
  • Für die Erzeugung von Bioethanol wurden 2007|08 nur rund 2 Mio. t eingesetzt, das entspricht rund einem Prozent der gesamten Getreideproduktion der EU-27.
  • Die geringeren Qualitätsanforderungen für Bioethanolgetreide (Protein) führen zu höheren Hektar-Erträgen und geringerem N-Düngungsaufwand
 
 
MORALISCHE FRAGE: BIOSPRIT vs NAHRUNG 
 
Die Ernährung von Menschen hat immer Vorrang, das ist unbestritten. Niemand will den Ärmsten der Armen Nahrung „wegtanken“. Das Hungerproblem existiert hauptsächlich in den politisch instabilsten Ländern der Welt, etwa in Nordkorea, in Somalia oder Haiti. Diese Probleme sind in den vergangenen Monaten verstärkt wahrgenommen worden, weil die Preise für Agrar-Rohstoffe so stark gestiegen sind. Sie sind aber kein Problem der globalen Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln. Es gibt genug Lebensmittel für alle auf der Welt. Hunger ist ein Problem der Verteilung. Der beste Beweis dafür ist, dass das Hungerproblem schon da war, bevor die Biotreibstoffproduktion begonnen hat und die globalen Lagerbestände hoch waren.
 
 
 
 
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